Aquarelle von Maximilian Schmetterer

Eine vibrierende Spannung und zugleich eine tiefe Ruhe erfüllen die Bilderwelt des Malers Maximilian Schmetterer, aus diesem Gegenüber beziehen sie ihre poetische Energie.

Spannend ist Schmetterers Freiheit, ein Bild, und nicht ein Abbild zu gestalten, ist sein neuer Blick auf Wohlbekanntes, in dem Sujettreue unwesentlich wird. Ruhe beziehen diese Bilder aus der delikaten Palette, aus ihren Abtönungen von kom­plementären Effekten zwischen Blau und Orange – mal erfährt das Blau mehr Rot, mal spielt das Orange mehr ins Bräunliche oder verliert sein Rot ans Blau und spielt dann in zartes Grün – immer sind die Farben voller Wärme, aber ohne Süße. In Spiegelungen und Schatten spielt der Maler mit dem Eindruck des Lichts, mit seiner Präzision nimmt er die Impression in die Pflicht.

Sein Pinsel vertuscht Gegensätzliches – im wahrsten Sinne des Wortes: durch seine liebevolle Hinwendung an die Realität offenbart er hinter dem Schein des Hässlichen das Sein des Schönen. Seine Kompositionen geraten zu Inszenie­rungen, in denen Nebensächlichkeiten eine Hauptrolle zu spielen haben und zur unromantischen Idylle gedeihen. Sein Blick auf das unspektakuläre Sujet öffnet hier auch dem nachlässigen Betrachter der Wirklichkeit die Augen für alle Elemente klassisch schön gestalteter Kunstwerke: das aufeinander Einwirken von Flächen und Linien, von Farben und Formen. Seine Ausflüge in Landschaften und Städte, daheim und in fernen Ländern wie Italien oder Marokko, führen oft ins unbekannte Gewohnte, ob seiner Zweckmäßigkeit sonst gar nicht „in Betracht“ gezogene, nämlich einer Betrachtung nicht wert befundene. Da machen seine Ansichten von Industriegebieten und Werften sichtbar, wie viel Menschenkraft und -geist, wie viel Energie, Fleiß und Erfindungsgabe hinter dem „Material“ fließen.

Seien es die Fraueninsel vor der Haustür oder exotische Straßenschluchten, sie üben einen Sog aus, in sie hinein und durch sie hindurch, hinaus ins Unbekannte hinter dem Bild. Schmetterers Farbflächen lassen spüren, dass Licht und auch alle Materie aus Wellen besteht, in unterschiedlicher Dichte. Denn hier flimmert die Bewegung der Materie aus ihrem Inneren heraus. Der Umgang mit den Farben und mit dem Farbauftrag lässt die Durchdringung von Licht und Materie, die Dynamik der Ruhe sichtbar werden. Der Raum der Bilder umschließt den Betrachter und nimmt ihn mit in seine sanftfarbige Welt. Das ist das ganz Besondere, was diese stillen Bilder so aufregend macht.

Renate M. Mayer

Ausstellung in der Kleinen Werkraum Galerie

Auch wenn man unterwegs ist, verschiedene Landschaften und Städte bereist, sieht man die Welt immer mit den eigenen Augen. Dies zeigt die feine Ausstellung „ …unterwegs…“ in der Kleinen Werkraumgalerie von Alfons Röckl in der Heilig-Geist-Straße 4 in Rosenheim. Sie trägt den Untertitel „ Aus dem Reisekoffer des Aquarellisten Maximilian Schmetterer“.

Galerist Alfons Röckl hat die Auswahl getroffen und den Maler auch in der Heimat unterwegssein lassen, am Chiemsee, in Rosenheim, Wasserburg, Salzburg. Dann aber geht es weiter an die Nordsee, nach Irland, nach Venedig und Marokko. Und Maximilian Schmetterer sieht die Welt mit seinen Maleraugen.Er sieht immer wieder Ähnliches im Verschiedenen. Da ähnelt das Chiemseeufer in Harras bei Prien dem Meeresufer in Sylt, da wirkt Wasserburg vom Inn aus gesehen wie ein Hafenort und bei einem Blick auf die Dächer von Salzburg glaubt man Wasserburg zu sehen. Die rotbraune Mauer im marokkanischen Taroudant schiebt sich ähnlich ins Bild wie der rostbraune Schiffskörper in Hamburg.

In allen Bildern erkennt man Maximilian Schmetterers eigenen feinen, zart-poetischen Malstil. Er hat eine Vorliebe für rotbraune und blaugraue Farbtöne. Sanft tupft er die Farben und lässt immer wieder die Ansichten von einem Schleier transparent überdecken. Dabei spart er weiße Flächen aus, aus denen heraus die Bilder zu leuchten scheinen. Immer wieder durchziehen Linien die Landschaft, als Kabel, Drähte, Schienen. Immer wieder setzt er dunkle Akzente mit Pfählen, Türmen, Kaminen, die in Verbindung mit den Linien, den Bildern ihre Tiefe geben. Aber vor allem gibt Schmetterers Himmel den Bildern ihre Tiefe. Da wird die Landschaft oft zum Beiwerk, wenn der Himmel in all seinen Stimmungen einen großen Teil des Bildes einnimmt. Schmetterers Landschaften und Städtebilder kommen meist ohne Menschen aus, oder sie sind nur angedeutete Silhouetten und Staffage.

Schmetterers Motive sind häufig unscheinbar, sogar unansehnlich wie die Hackerbrücke in München, oder der Hauptbahnhof in Hamburg und werden trotdem durch seinen gewählten Bildausschnitt oder durch seinen Himmel spektakulär.

Raimund Feichtner OVB